Werktagebuch

Timo Marcel Hildebrandt

ist nicht

Stille, Hohlraum – halte es aus,
Vater ist nicht tot und in Tuch gelegt, reise und holz.
Lebendigkeit vor dem Fenster glotzt mich
an, sagte sie lauthals, fast brüllend. ich höre nicht
zu.
ich unterbreche / deine Faszination von Vögeln wie geltendes Gesetz,
wie die blattspitze, die sich vom Rest abtrennen lässt –
eine Figur macht die Schnittgeräusche aus meiner
Kultur, in der ich den Boden
überspanne und warte, warte und wie ich warte. hier
macht der Wind
keine einzigen Geräusche, hier macht niemand etwas,
nur die Heizung rauscht noch, nur noch die, sagte sie leiser,
aber immer noch recht gereizt. neben mir liegend,
ich denke, ich bleibe stehen, er ist nicht tot, betone ich seit meiner
Kindheit, die alles in allem gut war (einmal abgekürzt mit gut) aber
nirgends finde ich gehöre, selbst Vater schüttelt einen
Kopf und sie pauschal:
alle dinge sind anders. das Dorf trage ich und
Augen fehlen überall. doch das macht nichts, sie,
ist ja alles gleich vorbei.

Anfang. und Ende gibt es nicht

niedergeschlagen, niedergeprügelt, niedergetreten zu werden fühlt sich an, wie wenn man ein Blatt aus Wut, da es nicht so will, wie man will, zusammenknüllt und auf den Boden schmeißt, bemüht sie sich zu behaupten

drei Tritte mehr und richtig platziert, da wäre ein Ende in Sicht gewesen, immer noch sie

hab sie kaum verstanden, ihre stillen Bewegungen im All machen sie unhörbar

und durch die Meinungen der Anderen treibt es mich. ich probiere ihnen auszuweichen, sie nicht zu berühren. er sagt, welch ein Los gezogen, wenn du durch diesen Nebel treibst. ich bin mir nicht ganz sicher, wer er ist, allerdings kenne ich ihn. woher, ist mir nicht ganz klar, scheint wie aus einer vergangenen Zeit her zu sein. dies schmale Gesicht, die hagere Gestalt, die Brill. er berührte mich einst, berührte mich wegweisend wie kaum ein Andere.

nicht mit dem sprechen beginnen
nachdem ich es sage, ist alles* anders

*alles definiert nur das ungenaue wissen
über mich

was suche ich eigentlich
stundenlanges nichts überall weltweit
nichts nicht nich nic ni n  .
nichts ich –

das geschäft mit den steinen, lange ist
es her, als die wand noch keiner wand glich.
unten an der tür, da zieht die luft hindurch
und bestimmt die tageszeit ohne mich, ich
bin lose und am zittern, es regnet.

lass dich nicht grasnarbenfarbend alleine

frage.

ich versage der rahmenbedingung

                                                kann daran nichts zeigen – auf-tauchen

            bin ganz angezündet von der idee im wasser wasser

                                                                                         zu werden

ganz angetan                                 und gar ohne luft zu sein

                                                                  himmlisch, weil

                           doch da der schall getragen wird, weil ich habe

genug vom ton tragen, kann das nicht mehr aufhalten

die tat ist meine kraft in ewigkeit amen / verdammte lüge

fleisch esse ich nicht, bin ich                   bin mehr wege

                     es lebt und ist tot zugleich. ich kann nicht

                                verstehen, wie du glotzt

ich würde eine sache aus holz und herz
sein und innen zimmer haben zum vermieten
fachgerecht wo ich schlafen würde wie
dinge die dunkel gegen das licht sind

manchmal sehe ich nicht, was ich anschaue.
da bin ich fast wie scheu und ungeübt
fern von haben von sinnen von dingen,
die ich bin, bin ich, wo beiseite die gräben
überflutet und bewachsen waren: zeit.los
gelassen bleibe ich schweißgebadet fast
liegen - ohne dieses bild wäre ich geblieben.

drei schritte raus aber nicht gehen,
nicht mit dir sprechen wie mit mir –
drei schritte als wären alle gleich weit
und nicht zu vereinbaren und unklug,
ob sie alle drei von mir stammen; oder
doch von dir. Wir können es nicht
schätzen, was danach kommt. drei schritte
sind manchmal genug, manchmal müssen
sie es sein, manchmal gibt es einen wald
zu treffen, manchmal regnet es, manchmal:

du hast die traurigen worte gefunden, so wie
sie sind tatsächlich und pur, es regnet manchmal,
auch da müssen drei schritte hindurch

wenn alles weg wäre* nichts da, wo
es hingehöre, sagst du so weit so gut, da
nichts wäre, ist alles ein einziges entweder
oder nichts hätte farbe, die sich lohne zu beschreiben.
dass du fragst, ist nett gemeint, rate ich.
wir haben das vertrauen wieder –
vielleicht zwischen den zügen voll luft
am tag danach, an dem aufgeräumt wird

*2 mal bitte

herrlich du, hunderthimmelnah

als die sonne ins meer schmetterte

und ich anfing auseinanderzubersten

vorbei ziehen die stillen köpfe
die ohne hände kommen

wir haben die zeichen nicht
mehr, sagst du, sage ich

am morgen vielleicht, da ist
der hunger von gestern, welcher

unbeirrt & zielsicher seine
wege wie der mond dreht

du bist da, ich bin es auch
noch bei genauer betrachtung

zusammen ist es möglich
wie der vogel zu sein